Tiere haben mein Herz erobert, seit ich denken kann. Ich bin im Westerwald in Rheinland-Pfalz geboren und aufgewachsen – und obwohl ich als Kind kein eigenes Tier haben durfte, weil mein Vater Angst vor Tieren hatte, habe ich immer einen Weg gefunden, ihnen nahe zu sein.
So verbrachte ich viel Zeit bei Verwandten und Freunden, die Tiere hatten, oder ganze Tage im Reitstall. Ob Pferde, Hunde, Katzen oder Mäuse – eigentlich war es ganz egal. Hauptsache, Tiere waren um mich herum.
Als ich schließlich von zu Hause auszog, erfüllte ich mir deshalb als Erstes einen lang gehegten Wunsch: meinen eigenen Hund. Zwölf wundervolle Jahre durfte er mich begleiten. Er war ein wichtiger Teil meines Lebens – und sein Tod wurde schließlich auch zu einem Wendepunkt.
Bis dahin hatte ich 18 Jahre in der Altenpflege gearbeitet. Eine Arbeit mit Menschen, die mir viel gegeben und mich geprägt hat. Doch nach dem Verlust meines Hundes stellte ich mir noch einmal ganz grundsätzlich die Frage, was ich wirklich machen möchte. Die Antwort kannte ich eigentlich schon seit meiner Kindheit: mit Tieren arbeiten. Also wagte ich einen beruflichen Neuanfang und absolvierte eine Ausbildung zur Tiermedizinischen Fachangestellten, die ich 2021 erfolgreich abschloss.
Die Arbeit in einer Tierarztpraxis war interessant und wichtig, trotzdem merkte ich mit der Zeit, dass mir etwas fehlte: die Nähe zu den Tieren, sie wirklich kennenzulernen, sie über längere Zeit zu begleiten und eine Beziehung zu ihnen aufzubauen. Und dann kam eines Abends dieser eine Fernsehbeitrag.
Ich sah einen Bericht über den De Hun’nenhoff und war tief berührt von dem, was ich dort sah. Von den vielen gehandicapten Hunden, von ihrer Lebensfreude – und von den Menschen, die alles dafür tun, ihnen ein gutes Leben zu ermöglichen. Ich saß vor dem Fernseher und hatte Tränen in den Augen. Der Gedanke ließ mich nicht mehr los. Also dachte ich mir: Ich versuche einfach mein Glück.
Ich schickte eine Bewerbung an den Hun’nenhoff, kam zum Probearbeiten – und wurde angenommen. Damit stand plötzlich eine ziemlich große Entscheidung an. Denn der Hof lag nicht gerade um die Ecke. Ich packte meine Sachen, ließ den Westerwald hinter mir und zog in die Lüneburger Heide, um auf dem De Hun’nenhoff zu arbeiten.
Diese Entscheidung habe ich keinen einzigen Tag bereut.
Heute bin ich Hofleiterin und trage gemeinsam mit unserem Team Verantwortung für all die Tiere, die bei uns leben. Für mich ist das weit mehr als ein Beruf. Unsere Schützlinge wachsen einem ans Herz, jeder mit seiner eigenen Geschichte, seinem eigenen Charakter und seinen ganz besonderen Bedürfnissen. Sie sind ein Teil meines Lebens geworden.
Natürlich gibt es Tage, die anstrengend sind, und Situationen, die uns emotional viel abverlangen. Aber dann erlebt man die Freude unserer Hunde, sieht einen kleinen Fortschritt oder schaut in die Augen eines Tieres, das trotz allem voller Vertrauen und Lebensfreude ist.